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Nach über 30 Jahren künstlerischer Tätigkeit, habe ich in Selection die für mich wichtigsten Arbeiten zusammen getragen. Sie geben am deutlichsten meine Wahrnehmung wieder und reflektieren am besten meinen künstlerischen Prozess.


Experimentieren: Ich feiere die Rolle, die der Zufall und die unerwarteten Begegnung in meinem Leben gespielt haben. Ich nehme jede Gelegenheit wahr, einfach um zu sehen, wohin sie mich führt. Meine Atelier-Arbeit befriedigt dabei das Bedürfnis, diesen freien, schöpferischen Raum zu betreten. In diesem Prozess bin ich vollends auf meine künstlerische Arbeit fokussiert und nicht an der Vermittlung meiner Intention interessiert.


Pragmatische Produktion: Als Künstlerin, die ort- und kontextbezogene Arbeiten für den öffentlichen Raum schafft, bin ich am glücklichsten, wenn ich mit Materialien arbeite, die ich
vor Ort finde. Die Auswahl ortsbezogener Materialien ist eine Strategie zur Identifizierung und Auseinandersetzung mit einem bestimmten Kontext. Weil meine Arbeit die Situation reflektiert,
in der ich mich zum Zeitpunkt des Erschaffens befinde, möchte ich mich nicht auf eine einziges künstlerisches Medium festlegen, um ein vom Ort selbst generiertes Konzept zum Ausdruck
zu bringen.

Ich arbeite mit Gegenständen, die Träger unseres kollektiven Gedächtnisses sind: Werkzeuge des Alltäglichen, Abfall, und andere Fundstücke, die Spuren menschlichen Handelns in sich tragen.
Die Objekte sind ein spezifischer Ausdruck der Kultur unserer Epoche. Um diese Materialien als Metapher für die Beziehung von Mensch und Natur zu verwenden, kombiniere ich oft Müll mit organischen Materialien.

In meiner Suche nach materiellen Metaphern für bestimmte Situationen sind formale und ästhetische Qualitäten ausschlaggebend. Durch den Einsatz von ungewöhnlichen Materialkombinationen hoffe ich den Betrachter zu überraschen und seine Sehgewohnheiten
in Frage zu stellen.


Ökologisch-politische Kommunikation: Wenn ich in einem bestimmten urbanen, suburbanen oder ländlichen Bereich arbeite, reagiere ich sowohl auf die natürliche Umgebung als auch auf die von Menschen verursachten Störungen des Ökosystems. Meine Arbeit ist folglich eine subtile Kritik und ein in Frage stellen des politisch-wirtschaftlichen Status quo. 

Ich bin durch Ereignisse motiviert, die eine emotionale Reaktion in mir hervorrufen - politische und historische Ereignisse genauso, wie abstraktere intellektuelle Interessen. Der Ausgangspunkt für meine Arbeit ist die Überkreuzung meiner persönlichen Erfahrung mit meiner Umwelt (geographisch, architektonisch, sozial, politisch und historisch).

Ich bin stets überrascht zu entdecken, dass viele Betrachter meiner unterschiedlichen Werkgruppen, sehr ähnliche Reaktionen auf bestimmte Themen haben und ich nicht alleine in meinen Empfindungen bin.

Da wir eine gemeinsame Sprache der kulturellen Zeichen und Symbolen teilen, ist es mir möglich durch die Anwendung dieser kulturellen Artefakte unmittelbar zu kommunizieren. 

Eine wichtige Überlegung in meiner künstlerischen Arbeit ist, in wie weit die Massenmedien den kulturellen Zusammenhalt beeinflussen. Werden unsere persönlichen und gesellschaftlichen Werte durch unseren freien Willen geformt oder sind wir lediglich Spielbälle der Lobbyisten mit ihren eindeutigen Absichten? Wir müssen uns bewusst werden über die Grenzen des Cyberspace und über die globale Interessen, die das Internet für kurzfristige kommerzielle Zwecke manipulieren.

Während wir in dieser digitalisierten und globalisierten Kultur täglich stundenlang von den Medien gefilterte Bilder konsumieren, verbringen wir immer weniger Zeit in der realen analogen Welt. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass KünstlerInnen sich dringend wieder mehr einbringen und sich sowohl um die Umwelt als auch um die Gestaltung der wirklichen Welt kümmern müssen.


Einladung zum Dialog - eine kollaborative Intention: Kunst im öffentlichen Raum hat das Potenzial die Bürger zu erreichen, die weder Kunst machen noch Kunst besitzen. Die Kunst kann ihnen eine neue Lebensperspektive eröffnen und bieten. Ich bin der Überzeugung, dass Kunst die Wahrnehmung verändern kann - ob sie nun bewusst in einer Galerie, einem Museum oder durch eine zufällige Begegnung im öffentlichen Raum betrachtet wird. 

Mit jeder Arbeit im öffentlichen Raum mache ich dem Publikum ein Angebot und erhoffe mir eine unmittelbare Reaktion. Ich möchte in Dialog treten mit den Betrachtern. Die Betrachter sind dabei nicht nur körperlich - durch ihre Anwesenheit im Raum - in die Arbeit involviert, sondern auch emotional und intellektuell. Erst wenn der Betrachter meine Werke als Metaphern und Symbole einer grösseren Realität interpretiert, gewinnt meine Arbeit an Bedeutung.

Durch meine Arbeit im öffentlichen Raum, habe ich in der letzten Zeit verschiedenste Formen der Interaktion mit dem Publikum untersucht. Ich werde in Zukunft die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen, z.B. mit Umweltwissenschaften und Umweltingenieuren, fortzusetzen. Ich hoffe, dass meine künstlerische Arbeit als spezifischer Ausdruck des Zeitgeistes, relevant für unsere gemeinsame Kultur ist.


Liz Bachhuber